

Wie viel Geld sollten Eltern monatlich für ihr Kind zurücklegen? Realistische Sparraten im Überblick. Weiterlesen.
Die meisten Ratgeber zur Finanzplanung springen sofort zum Produkt. Welcher ETF, welche Versicherung, welcher Anbieter.
Dabei ist die Produktfrage die letzte, die ihr euch stellen solltet – nicht die erste.
Dieser Guide geht die Finanzplanung für Familien in der Reihenfolge durch, in der sie tatsächlich sinnvoll ist: von der Basis über die Ziele bis zur Struktur. Erst danach wird die Produktwahl überhaupt beantwortbar.
Bevor auch nur ein Euro langfristig investiert wird, sollten drei Dinge stehen.
Der Notgroschen: etwa drei bis sechs Monatsausgaben, jederzeit verfügbar auf einem Tagesgeldkonto. Nicht in ETFs. Der Sinn dieses Geldes ist nicht Rendite, sondern dass ihr bei einer kaputten Waschmaschine nicht an den Sparplan müsst.
Die Absicherung der Arbeitskraft: Eure Fähigkeit zu arbeiten ist euer größtes Vermögen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt genau das – und damit auch alles, was darauf aufbaut.
Die Haftpflichtversicherung: günstig, unspektakulär, und im Ernstfall existenzrettend.
Erst wenn diese drei stehen, ergibt langfristiges Investieren überhaupt Sinn. Sonst baut ihr auf Sand.
Eine Familie hat nicht ein Ziel, sondern mehrere – und jedes hat einen anderen Zeithorizont. Genau das entscheidet über die richtige Anlageform.
Kurzfristig (0 bis 3 Jahre): Notgroschen, geplante Anschaffungen. Gehört auf ein Tagesgeldkonto. Schwankungen sind hier keine Chance, sondern ein Risiko.
Mittelfristig (3 bis 10 Jahre): Auto, Renovierung, Eigenkapital für eine Immobilie. Eine Mischung, je nachdem wie fest der Termin steht.
Langfristig (10 bis 20 Jahre): das Kindervermögen. Hier ist der Kapitalmarkt nicht riskant, sondern die vernünftige Wahl. Wer 18 Jahre Zeit hat, kann Schwankungen aussitzen – und der Zinseszinseffekt braucht genau diese Zeit.
Sehr langfristig (20 bis 40 Jahre): eure Altersvorsorge.
Der häufigste Fehler ist, alles gleich zu behandeln. Geld mit 18 Jahren Horizont auf dem Sparbuch zu parken ist genauso ein Fehler wie das Urlaubsgeld in ETFs zu stecken.
Die Frage, die uns Eltern am häufigsten stellen: „Wie viel sollten wir monatlich für unser Kind zurücklegen?"
Die ehrliche Antwort: Es gibt keinen richtigen Betrag.
Wichtiger als die Höhe ist die Regelmäßigkeit. 25 Euro im Monat über 18 Jahre schlagen 200 Euro, die nach zwei Jahren aufhören, weil sie zu ambitioniert waren.
Eine brauchbare Faustregel: Nehmt einen Betrag, den ihr auch in einem schlechten Monat nicht hinterfragt. Lieber niedrig anfangen und später erhöhen, als hoch starten und abbrechen.
Und verwechselt nicht Sparrate mit Sparerfolg. Der größte Hebel ist nicht der Betrag, sondern die Zeit. Wer bei der Geburt anfängt, hat 18 Jahre Zinseszins. Wer mit acht anfängt, hat zehn. Diese Lücke schließt keine höhere Sparrate wieder.
Jetzt erst wird es konkret – und hier treffen die meisten Familien ihre Entscheidung, ohne zu merken, dass sie eine treffen.
Die zentrale Frage lautet nicht „welcher ETF?", sondern: Wem soll das Geld gehören, und wer hat wann Zugriff darauf?
Ein Depot auf den Namen des Kindes bedeutet: Das Geld gehört rechtlich dem Kind. Ihr könnt seine Steuerfreibeträge nutzen – zusammen bis zu rund 13.384 Euro Kapitalerträge pro Jahr steuerfrei (Stand 2026). Aber mit 18 hat euer Kind die volle Verfügungsgewalt, unwiderruflich. Und das Vermögen kann den BAföG-Anspruch mindern.
Eine ETF-Police bedeutet: Ihr bleibt zunächst Versicherungsnehmer. Ihr entscheidet, wann euer Kind übernimmt – am 18. Geburtstag passiert nichts automatisch. Sobald ihr das Kind zum Versicherungsnehmer macht, stehen ihm dieselben Steuerfreibeträge zur Verfügung. Dafür sind die laufenden Kosten in der Regel höher.
Das ist die eigentliche Entscheidung. Das Investment dahinter kann in beiden Fällen derselbe breit gestreute ETF sein.
Eine Finanzplanung ist kein Dokument, das man einmal erstellt und dann ablegt. Sie ist eine Struktur, die mit eurem Leben mitwachsen muss.
Einmal im Jahr reicht meistens. Und immer dann, wenn sich etwas Grundlegendes ändert: ein weiteres Kind, ein Jobwechsel, eine Gehaltserhöhung, ein Umzug – besonders ein Umzug ins Ausland.
Die Fragen dabei sind simpel: Passt die Sparrate noch? Stimmen die Ziele noch? Hat sich etwas geändert, das die Struktur beeinflusst?
Familien, die ihren Sparplan einmal abschließen und nie wieder anschauen, haben nach fünf Jahren eine Struktur, die zu einem Leben passt, das sie nicht mehr führen.
Womit fangen wir an?
Mit der Basis: Notgroschen, Berufsunfähigkeitsversicherung, Haftpflicht. Danach kommt der Vermögensaufbau. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar.
Wie viel sollten wir monatlich für unser Kind sparen?
Es gibt keinen richtigen Betrag. Wählt einen, den ihr auch in einem schlechten Monat durchhaltet. Regelmäßigkeit schlägt Höhe.
Sollen wir zuerst für uns oder fürs Kind sparen?
Beides gehört in eine Planung. Wer die eigene Altersvorsorge vernachlässigt, verschiebt das Problem nur auf das Kind.
Ab wann lohnt sich professionelle Beratung?
Spätestens dann, wenn ihr merkt, dass ihr einzelne Verträge habt, aber kein Gesamtbild. Oder wenn sich etwas Großes ändert.
Wenn ihr diesen Guide auf einen Satz eindampft, bleibt dieser übrig: Finanzplanung ist eine Reihenfolge, kein Produktkatalog.
Erst die Basis absichern. Dann die Ziele nach Zeithorizont trennen. Dann eine realistische Sparrate wählen. Dann die Struktur entscheiden – wem gehört das Geld, wer hat wann Zugriff. Und erst ganz am Ende die Produktfrage.
Die meisten Familien machen es genau andersherum. Sie kaufen ein Produkt und hoffen, dass der Rest sich fügt.
Wir sind keine Steuerkanzlei und sagen euch ehrlich, wann ihr einen spezialisierten Steuerberater braucht. Aber wir helfen euch, diese Reihenfolge einzuhalten – damit die Produktentscheidung am Ende fast von selbst fällt.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Rechtsberatung.
Quellen: Bundesministerium der Finanzen (Grundfreibetrag, Sparer-Pauschbetrag), Einkommensteuergesetz (EStG). Angaben mit Stand 2026 – Steuerfreibeträge werden jährlich angepasst.
Über den Autor
Erol Eren, Bachelor in Wirtschaftswissenschaften, ist Gründer von ETF4Kids und berät Familien und Expats in Deutschland zu Kindersparplänen und Familienfinanzen. ETF4Kids GmbH ist als Finanzanlagenvermittler nach §34f GewO, Versicherungsvermittler nach §34d GewO und Immobiliardarlehensvermittler nach §34i GewO zugelassen (IHK Region Stuttgart).
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